Vor genau einem Jahr habe ich meinen allerersten Blogartikel veröffentlich, meinen Jahresrückblick 2024. Seitdem ist viel passiert – auch wenn es auf meinem Blog nicht danach aussieht. Finde ich das schlimm? Überhaupt nicht! Denn manches muss erst innerlich reifen, ehe es sichtbar wird. So war es auch bei mir im letzten Jahr, wie ich in der Rückschau festgestellt habe.
„Freude finden im leichten Denken und einfachen Tun“ – das war mein Motto letztes Jahr. Ich wollte es mir und meinem Leben leichter machen – im Kopf und im Handeln. Stattdessen wurde 2025 ein Jahr, in dem ich 50 wurde UND tiefer als je zuvor bei mir selbst ankam.
Und genau darum geht es in diesem Rückblick:
Um mein Ankommen bei FünfzICH.
Um ein Innehalten und Sondieren.
Und um die Vorfreude auf ein Jahr, in dem ich viele tolle Ideen in die Tat umsetzen werde.
Meine Themen und Highlights in 2025
Schreiben, bloggen, sichtbar werden
2025 habe ich meinen Blog gestartet – ein Herzensprojekt, das schon lange in mir gereift ist. Entstanden ist er im Rahmen von The Content Society von Judith Peters, einem Blogprogramm, das mit starken Blogimpulsen und einer engagierten Community zum Dranbleiben motiviert.
In meinem Blog geht es um Haltung und Wirkung in der Wissenschaftskommunikation: Wie können Forscher/innen sich klarer ausdrücken, sichtbarer werden und dabei authentisch bleiben?
Mein Ziel waren zwei Artikel pro Monat. Am Ende sind es insgesamt sieben geworden – immerhin zwei mehr als mein eigenes Minimalziel. Denn laut Judith Peters sterben viele Blogs unter fünf Artikeln – und das wollte ich um jeden Preis vermeiden. Zusätzlich habe ich mehrere Entwürfe und eine lange Liste an Ideen, die nur darauf warten, verbloggt zu werden.
Was ich beim Schreiben erlebe: Flow! Ich liebe diesen Moment, wenn Gedanken sich ordnen, Worte sich finden und Klarheit entsteht. Beim Schreiben finde ich zu mir selbst und ich weiß, dass ich das weitermachen werde.
Meine Sichtbarkeit hält sich noch in Grenzen. Das lag nicht an der Technik – im Gegenteil. Ich konnte immer auf Unterstützung durch das TCS-Team zählen. Besonders motivierend war das persönliche Treffen mit anderen Blogger/innen im April in Stuttgart. Bisher hatte ich mich nur virtuell mit vielen anderen TCSler/innen ausgetauscht. Doch in wirklich netter Umgebung mit einzelnen in tiefergehende Gesprächen eintauchen zu können, hat mich beflügelt.
Es lag mehr daran, dass ich mit angezogener Handbremse unterwegs war. Denn ich musste mir erst über vieles klar werden:
- Was will ich wirklich sagen?
- Was ist relevant für andere – und was für mich?
- Was ist meine Haltung?
Fragen wie diese haben mich immer wieder beschäftigt – einige davon habe für mich beantwortet, andere noch nicht. Aber ich habe angefangen, sie mir überhaupt zu stellen und mich mit diesen wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Und das ist schon ein riesiger Schritt.
Kommunikation als Schlüsselthema
Kommunikation wurde 2025 zu einem echten Fokus – beruflich wie privat.
Ich habe mich bei den Toastmasters angemeldet, einem internationalen Netzwerk, in dem man freies Sprechen, Präsentieren und aktives Zuhören übt. Mit klaren Formaten, wertschätzendem Feedback und viel Raum zum Wachsen. Ich möchte mich auf diesem Gebiet gezielt weiter entwickeln. Denn ich habe gemerkt: Sprache ist mehr als Mittel zur Informationsweitergabe. Sie schafft Verbindung – oder verhindert sie. Sie kann Klarheit bringen – oder neue Verwirrung stiften.
Auch die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) hat mein Interesse geweckt – auch mit Blick auf neue Arbeitsmodelle: agilere Teams, mehr Selbstverantwortung, flache Hierarchien. All das verlangt nach klarer, bewusster Kommunikation. Informationen müssen zugänglich sein, Entscheidungen transparent, Absprachen tragfähig. Besonders inspirierend fand ich einen GFK-Workshop, den Martin Weinbrenner, auf dem TCS Treffen in Stuttgart gehalten hat.
Was ich gelernt habe:
- Gewaltfreie Kommunikation ist weniger eine Technik als eine innere Haltung. Es geht darum, Verbindung zu ermöglichen, statt Recht zu behalten. Klar zu sprechen, ohne zu bewerten. Und Verantwortung für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu übernehmen, statt sie anderen zuzuschreiben.
- Zentral ist die Unterscheidung zwischen Beobachten und Bewerten. Was nehme ich konkret wahr – und welche Geschichte erzähle ich mir darüber? Aus dieser Klarheit heraus lassen sich Gefühle benennen und Bedürfnisse formulieren. Hilfreich ist dabei die VW‑Regel: einen Vorwurf in einen Wunsch zu übersetzen.
- In angespannten Situationen hilft ein innerer Stopp: Bemerken, anerkennen, zuschauen, entscheiden. Nicht alles braucht sofort eine Reaktion. Abwarten ist oft souveräner als Gegenhalten.
- Ein wichtiger Perspektivwechsel lautet: Ist das, was ich sagen will, hilfreich – oder nur wahr? Denn Recht haben ist oft eine Suche nach Anerkennung. Verbindung entsteht anders.
- GFK bedeutet auch, Abwehr zu erkennen – bei anderen und bei sich selbst. Hinter Schutzbehauptungen steckt häufig Stress oder Ressourcenverteidigung. Nur wer sich sicher fühlt, kann zuhören. Deshalb sind Rückzug, bewusste Wortwahl und Emotionsregulation keine Schwäche, sondern Selbstführung.
- Wer ruhig bleibt, senkt Spannung. Wer belehrt, erzeugt Widerstand. Eine einfache Spiegelung wie „Ich habe verstanden, dass … Das macht mit mir …“ kann Räume öffnen, ohne zu vereinnahmen.
- Gewaltfreie Kommunikation heißt nicht, sich anzupassen. Sondern klar zu bleiben, ohne zu verletzen. Sich abzugrenzen und trotzdem in Beziehung zu bleiben. Auf sich zu achten, ohne Erlaubnis einzuholen.
- Kurz: die Person zu sein, die man sein möchte – auch wenn es herausfordernd wird.
Auf der Suche nach innerer Klarheit
Als ich Anfang des Jahres entschied, mein Blogprojekt zu starten, war mir nicht klar, wie sehr ich mir selbst dabei im Weg stehen würde. Mit meinen eigenen Ansprüchen. Meinen Glaubenssätzen. Meinem Perfektionismus.
Hinzu kam der vorprogrammierte Konflikt unterschiedlicher Bedürfnisse innerhalb der Familie: Ich wollte beruflich vorankommen, den Blog aufbauen, Sport machen, schöne Dinge unternehmen, meinen 50. Geburtstag feiern und gleichzeitig eine gute Partnerin und Mutter sein – und das mitten in den Wechseljahren mit Brainfog, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und zu wenig Schlaf. Mein Mann brauchte Zeit, um den Tod seiner Mutter zu verarbeiten – einer lebensfrohen Frau, die auch mir sehr fehlt – und sich in seinem neuen Job einzufinden. Die Jungs – beide mitten in der Vollpubertät – hatten anderes im Sinn, als gute Laune zu verbreiten, ihre Zimmer aufzuräumen oder mit uns Erwachsenen „Quality Time“ zu verbringen. Ihre Reaktion auf entsprechende Erwartungen fiel meist eindeutig aus: Das juckt. Und als der Älteste Ende des Jahres auszog, um zu studieren, veränderte sich die Familiendynamik erneut – leiser, aber spürbar.
Und ich? Ich stand dazwischen. Mitten im Umbruch. Außen stark, innen oft müde.
In dieser Phase erzählte mir eine Freundin vom Konzept der Ambiguitätstoleranz – die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, ohne gleich handeln oder bewerten zu müssen. Damit verwandt: die Souveränität zweiter Ordnung, geprägt von Friedemann Schulz von Thun. Es beschreibt eine andere Form von Stärke – eine Haltung, die nicht auf Perfektion zielt, sondern auf Integrität. Es geht darum, mit den eigenen Begrenzungen, mit Unsicherheit, Bedürftigkeit oder auch emotionaler Verletzlichkeit im Reinen zu sein. Eine Haltung, die nicht alles kontrollieren will, sondern lernt, mit Komplexität zu leben.
Ich beginne zu verstehen, wie sehr ich lange im Krisenmodus gelebt habe. Immer ansprechbar. Immer verfügbar. Immer in mehreren Rollen gleichzeitig. Ein Reflex der Verfügbarkeit – geboren aus Verantwortung, Perfektionismus und innerem Druck.
Jetzt darf ich fragen: Was brauche ich? Was tut mir gut? Und wie komme ich vom Funktionieren ins Leben?
Gerade in einem Jahr voller offener Fragen war das für mich ein leiser, aber wirksamer Perspektivwechsel: Ich muss nicht alles wissen, nicht alles lösen, nicht alles richtig machen. Es reicht, hinreichend gut zu sein.
Und das verändert viel – im Blick auf mich selbst und in der Art, wie ich anderen begegne.
Lichtblicke und besondere Momente in 2025
2025 war nicht nur anstrengend. Es war auch schön. Ich habe gefeiert, getanzt, gelacht – wie sich in dieser kleinen Rückschau in Bildern unweigerlich feststellen lässt.
Vor allem mein 50. Geburtstag war für mich ein wunderschönes Ereignis. So viele liebe Menschen sind von nah und fern dagewesen, um dieses besondere Ereignis mit mir zu feiern – mein persönliches FünfzICH. Es war ein Fest!
- Feiern
- Mein 50. Geburtstag
- Karneval
- Tanzboot
- Weihnachtssingen
- Konzerte & Events
- We will rock you
- Frieda Braun
- Rock am Ring
- Linkin Park in Frankfurt
- Rocky Horror Picture Show
- Danko Jones
- Urlaube
- Segeln in Heeg
- Schottland
- Languedoc
- Yoga Wochenende im Sauerland
Mein 2025-Fazit
Worauf bin ich 2025 stolz?
Mein Blogprojekt. Oft lasse ich neue Ideen schnell fallen, wenn sie nicht mehr ganz neu sind. Das ist diesmal anders. Ich spüre tief in meinem Inneren, dass ich das weitermachen will. Ich bin drangeblieben. Habe mich den Herausforderungen dieses Jahr gestellt. Das Tempo war zwar langsamer, aber ich habe nicht aufgegeben.
Was habe ich 2025 über mich selbst gelernt?
Ich kenne mich eigentlich sehr gut. Doch ich habe festgestellt, dass ich offensichtlich kommunikativ nicht so gut bin, wie ich immer dachte. Vielleicht sind es die Wechseljahre. Vielleicht die fast 20 Jahre, die ich als berufstätige Mutter mehrgleisig unterwegs bin und die mich natürlich sehr geprägt haben. Nicht realisierend, dass ich jetzt auf einem anderen Gleis als noch vor ein paar Jahren unterwegs bin. Die Jungs brauchen mich nicht mehr so. Mein Körper und meine Psyche verlangen gerade mehr Aufmerksamkeit. Ich brauche andere Dinge als früher. Spannend! Veränderungen kommen leise und werden manchmal erst bemerkt, wenn es knallt. Stressig!
Lange Zeit habe ich für andere mitgedacht, habe versucht flexibel zu reagieren und in mehreren Rollen gleichzeitig zu funktionieren und es allen Recht zu machen. Es entwickelte sich eine Art „Reflex der Verfügbarkeit & Wunscherfüllung“. Immer ansprechbar, immer meine Bedürfnisse hintenan stellend, immer wieder umplanend. Oft fühlte sich das an wir Krisenmanagement. Funktionieren. Alles musste laufen. Was dieser Mental Load mit mir gemacht hat, merke ich jetzt erst – wo der Druck nachlässt. Wo ich in mich hineinhören darf. Wo ich mich fragen kann: Was brauche ich jetzt gerade? Was darf ich mir Gutes tun?
Das ist sehr ungewohnt, weil jetzt andere Denk-, Fühl- und auch Entscheidungsmuster angesagt sind. Das sind jede Menge Erkenntnis dieses Jahr. Sie werden in 2026 nachwirken und ich bin gespannt, was ich daraus mache.
Was lasse ich im Jahr 2025 zurück und nehme es nicht mit in 2025?
Es gibt Glaubenssätze, die mir lange gedient haben. Und mich gleichzeitig klein gehalten haben:
- Ich muss alles wissen.
- Ich darf keine Fehler machen.
- Ich muss immer stark sein.
Diese Sätze dürfen gehen.
Ich lasse auch den Perfektionismus los. Die Entscheidungslähmung. Das ständige Reagieren, statt selbst zu gestalten.
Mein Ausblick auf 2026
Was ich 2026 anders mache
Was ich anders machen will:
- Klarer kommunizieren – privat wie beruflich
- Mich nicht verzetteln – aber weiter Ideen spinnen
- Mein Bullet Journal bewusst einsetzen – nicht nur zum Reflektieren, sondern zum Handeln
- Auf meinen Körper hören – Pausen, Bewegung, Musik, Schlaf
- Vertrauen lernen – in andere, in das Leben, in mich
Das habe ich mir 2026 vorgenommen
- Weiterbloggen! Die Richtung stimmt, das weiß ich inzwischen. Jetzt heißt Forscher/innen zu mehr Wirkung durch Haltung zu verhelfen. Mit Blogartikeln und vielleicht noch weiteren Mitteln. Stay tuned!
- Vorträge halten. Sowohl wissenschaftliche als auch nicht-wissenschaftliche in meiner Toastmasters-Runde. Storytelling lässt sich überall einsetzen, um das Publikum gezielt zu erreichen.
- Belastungen abbauen und Routinen etablieren – in so vielen Bereichen wir möglich. Mehr Schlaf und Bewegung, geregelte Tagesabläufe und entspannte Momente, MealPrep für gesunde Mahlzeiten ohne Stress zubereitet. Denn Wiederholung und Vorhersehbarkeit sollen zur Entspannung beitragen – ich werde es ausprobieren.
Mein Motto für 2026
Ich entscheide mich fürs anfangen.
Mit diesem Motto verschiebe ich den Fokus. Von zu viel Denken und Abwägen zum Treffen von Entscheidungen und zum Gehen des ersten Schritts.
Um zu kreieren statt zu reagieren.
Um lösungsorientiert zu handeln statt zu bremsen.
Um zu lenken statt nur zu folgen.
Ich bin stark, erfahren, mutig. Und das darf 2026 auch jeder sehen.